Das Tagebuch (4. Advent)

Hallo Freunde der Geschichten,

kommen wir nun zur letzten Geschichte, die euch päsentiert wird. Diese Geschichte steht wieder  für sich allein also hat nichts mit der Geschichte vom 2. und 3. Advent zu tun. Falls jemand auf die Idee kommen sollte zu fragen.

Dieses Jahr ist der 4. Advent gleichzeitg auch der 24.12.  Nach meiner Berechung passiert sowas nur alle 11 Jahre. Also war dieses Jahr das Phänomen für alle, die meinten sie sei früh dran mit Geschenken zu besorgen, dass sie rechtzeitig waren und alle, die später Geschenken besorgten, mussten mit entsetzen feststellen, dass am Sonntag die Geschäfte geschlossen haben. Ich hoffe bei euch ist alles glatt gelaufen und ihr könnt euch jetzt entspannt in den Weihnachtsstress/Vorbereitung für den heilig Abend stürzen.

Wieder die Bitte, falls Fehler auftauchen sollten in der Geschichte, die den Lesefluss stören oder den Inhalt unlogisch erscheinen lassen bitte melden. Ich werde es schnellst möglich korregieren.

Ansonsten wünsche ich euch eine frohen 4. Advent und eine fröhliche Weihnacht. Halt das übliche.

Es grüßt euch Jan Erichson

Das Tagebuch

Von Jan Erichson

Ich gehe die Straße entlang. Es ist kalt und der Wind weht mir die Schneeflocken in das Gesicht. Der Himmel ist grau und der Boden ist weiß. Ein Kontrast, der auffällt. Doch keiner schaut nach oben. Alle starren stur geradeaus.  Mein Blick wandert von den finsteren Gesichtern, die mir entgegenkommen, in den Himmel. Auf einmal taucht zwischen den weißen Flocken etwas anderes auf. Zuerst erkenne ich es nicht. Denke meine Augen spielen mir einen Streich. Über den Köpfen der Anderen vom Wind getragen schwebt etwas Braunes. Keiner beachtet es. Niemand nimmt Notiz davon. Der Anblick wie es auf den nassen, dreckigen Boden zwischen den umher tretenden Winterstiefeln landet hat etwas trauriges Melancholisches. Warum gerade dieses Gefühl mich übermannt kann ich nicht erklären. Das Papier lag dort unbeachtet. Ich bleibe stehen, denn es fasziniert mich irgendwie. Die Anderen gucken verärgert, da ich sie aus dem Tritt bringe. Bevor der Ärger ausbricht gehe ich zur Seite und hebe das Papier auf, dass auf wundersame weiße vom Wind in meine Richtung geweht worden ist. Es sieht aus wie eine herausgerissene Seite aus einem Buch oder Notizheft. Keine beachtet mich und obwohl die Schneeflocken immer stärker wurden fange ich an zu lesen:

Hallo liebes Tagebuch. Fängt man so an? Eigentlich finde ich es albern so zu tun, als wenn dieses Buch, in dem ich reinschreibe, eine Person ist. Ich bin nicht gut im Schreiben und ich lehne es auch ab. Finde es albern. Was soll es bringen etwas aufzuschreiben was sowieso niemand liest und was ich schon längst weiß. Eigentlich tue ich es meinem Umfeld zu liebe. Ja und damit gebe ich es zu. Ich habe selbst gemerkt, dass die Arbeit einfach stressiger geworden ist. Die  ohne Grund ausbrechenden Tobzuchtanfälle und das dabei die ein oder andere Sache kaputt gegangen ist, ist auch mir aufgefallen.  Auch meine Ruhe und Geduld ist irgendwie verloren gegangen. Das Gefühl, dass jedes gesprochenes Wort an mich eine Beleidigung ist hat in mir eine Wut geweckt vor der ich selber erschrocken bin. Ich tat es als Laune ab und irgendwann habe ich nicht mehr gemerkt, wenn ich Andere beleidigt habe. Irgendwann als ich mal wieder Wut geladen von der Arbeit kam wartete Zuhause meine Frau und Mitarbeiter. Es war eine wie sie es nannten Intervention. Ich war kurz davor zu brüllen doch dann geschah in  meine Augen etwas Unerwartetes: Ein jeder trat hervor mit einem Zettel in der Hand auf denen stand weswegen wieso und weshalb sie all dies tun. Im Endeffekt hat jeder Zehn Minuten geredet, aber ich kann es in einem Satz sogar nur in Zwei Worten formulieren: Mir zuliebe. Es klingt sehr egoistisch, wenn nicht sogar sehr selbstverliebt. Aber ich hatte mich selbst verloren. Den Spaß den ich bei der Arbeit hatte ist verloren gegangen. Die Kunden wurden immer unverschämter. Der Kunde ist König? Der Kunde ist ein Arschloch. Boah tut das gut dies endlich mal niederzuschreiben. Meine Wut wurde immer größer. Dadurch habe ich die Verantwortung und die Wichtigkeit meiner Arbeit ignoriert. Statt verständnisvoll zu reagieren was ich sonst immer getan habe, habe ich Wut mit Wut bekämpft. Es ist des Öfteren eskaliert. Aber nicht nur dass ich meine Aggression an Kunden ausgelassen habe sondern ich habe es auch an meinen Mitarbeitern und meiner Frau. Auch wenn ich mir bewusst war das ich das Falschenmache habe ich es trotzdem getan, weil es mir eine Art Frieden gegeben hat. Wobei dieser Frieden sehr brüchig war und ich ihn mir nur eingeredet habe. Nach der Intervention hatte ich erst einmal so getan als ob ich mich bessern würde. Mal ganz ehrlich so eine Veränderung funktioniert vielleicht in Filmen aber nicht im realen Leben. Nach einer gewissen haben mir meine Frau und meine Mitarbeiter eine Karte in die Hand gedrückt auf den der Name eines Psychologen stand. Dr. Bla Bla. Ist eigentlich auch unwichtig wie er heißt. Es war schwierig einen Termin mit ihm zu bekommen. Ich wollte es so schnell wie möglich hinter mir haben. Einerseits damit mich alle in Ruhe lassen und andererseits…ach was weiß ich was der andere Grund war. Der Hauptgrund war, dass mich alle in Ruhe lassen sollten. Jetzt merke wie wieder in mir diese Wut und der Zorn in mich aufbegehren, weil die anderen mich gezwungen haben. Tief durchatmen und ausatmen. Der Himmel ist Blau, die Sonne ist Gelb, das Gras ist Grün. Es ist doch manchmal erstaunlich was eine Atemtechnik und ein paar Worte ausmachen. Also weiter im Text. Immer wenn ich einen Termin wollte hat der Dr. immer eine Ausrede gefunden. Nach ewigen Hin und Her hat Dr. Bla Bla – ich komm echt nicht mehr auf seinen Namen, heißt das ich werde alt? – hat er es doch geschafft mir einen Uhrzeit zu sagen, denn es wirkte als würde ihm keine Ausreden mehr einfallen.. Ja ich sage bewusst Ausrede. An mir lag es nicht. Das habe auch meine Mitarbeiter und meine Frau gemerkt. Hätten meine Frau und ich Kinder hätte auch die es gemerkt, dass der Dr. irgendwie mich nicht wollte. Vielleicht hat er meine Akte gesehen und gemeint, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin. Mal ganz ehrlich ich hätte wahrscheinlich nicht anders reagiert.  Eines Tages klingelte mein Handy. Die Nummer sagte mir nichts. Auf meinem Handy wird jeden Nummer angezeigt man kann nicht auf unterdrückt stellen und wenn doch wird die Nummer bei mir trotzdem angezeigt aber psssst. Das ist eines meiner Geheimnisse. Jedenfalls meinte der Dr., dass es ihm sehr Leid täte, aber er hat die Wichtigkeit dieser Situation völlig unterschätzt. Er hat noch einiges mehr gefaselt. In meinen Kopf war nur ein Rauschen zu vernehmen. Während er etwas davon redete wie leid es im tut guckte ich nur meine Frau an und formulierte mit meinem Lippen ein stummes ich liebe dich.  In diesen Augenblick wurde mir klar, dass ich es meinen Mitarbeitern, Kunden aber vor allem meiner Frau schuldig bin mich zu bessern. Beinahe hätte ich den Termin verpasst mir zu notieren. So vertieft war ich in meinen Gedanken. Unser ersten und letztes Treffen war sehr angespannt. Ich war es einfach nicht gewohnt mit jemanden über meine Probleme zu reden. Zu der Zeit dachte ich auch, dass ich keine Probleme habe sondern die anderen Probleme mit mir haben. Schließlich mache ich es ja auch Ihnen zu liebe. Der Doktor räusperte sich ständig und stellte mir unnötige Fragen wie zum Beispiel wer ich bin, was mein Job ist, wie mein Alltag aussieht. Bla Bla Bla. Natürlich habe ich gemerkt wie der Doktor manchmal stockte während ich anfing über mich zu erzählen. Ich glaube er tat nur so als ob er etwas aufschreiben würde, da bin ich mir sicher.  Wahrscheinlich glaubte er mir sowieso nicht.  Doch wir hatten  das Geld überwiesen für die Stunde. Da ist er nicht abgeneigt, wenn man seinen Porsche finanziert. Hypokratischer Eid am Arsch. Man hat mir gesagt ich soll weniger Fluchen. Besonders auf der Arbeit ist das den Kunden negativ aufgefallen. Aber manchmal muss es raus und sie konnten froh sein wenn es nur ein Schimpfwort und eine entsprechende Geste war. Oh ja ich habe sowas von die Fingergeste drauf. Bei mir staunen immer alle wenn ich das mache, weil ich es mit purer Leidenschaft mache.  Am Ende der Stunde meinte der Dr., dass es ihm leid tue, aber die Stunde neigt sich dem Ende und ob ich sage könnte was ich in dieser Zeit über mich gelernt habe. Ich war sprachlos und habe ihn auch entsprechend angeguckt. Schließlich hat er sich geräuspert und gemeint er sehen sehr viel Potenzial und sehr gute Ansätze wo man das nächste Mal fortfahren kann. Ich staunte weiter ihn Sprachlos an. Irgendwie kann ich mich auch nicht erinnern ihm die Hand gegeben und die Praxis verlassen zu haben. Auf jeden Fall weiß ich noch, dass die liebevolle, und sie war wirklich liebevoll, weswegen sie mir auch in Erinnerung geblieben ist, Sekretärin mir gesagt hatte, dass ich mal versuchen sollte Tagebuch zu führen. Also ihr hat es sehr geholfen. Ich dankte ihr und behielt sie im Kopf. Als ich Zuhause  ankam und meiner Frau erzählt habe was passiert war flog eine Hasstriade auf den Dr.. Was dem einfalle so viel Geld zu nehmen und so weiter und so weiter. Ich staunte nicht schlecht. Das letzte Mal als ich meine Frau so fluchen hörte war….gut lassen wir das. Sowas gehört hier definitiv nicht hin. Zuerst habe ich mich geweigert und die ganze Zeit das Pergament  und die Feder, die im Tintenfass steckte, angestarrt. Meine Frau hatte mich ermutigt es einmal zu versuchen. Diese Frau war und ist einfach das Beste was mir je passieren konnte. Genau in dem Moment  als ich an meine Frau und die Liebe zu ihr dachte, da löste sich eine Blockade in meinem Kopf. Auf einmal wusste ich was mein erster Eintrag sein wird. Während ich dies Schreibe merke ich wie es mir gut tut. Ich fühle mich leichter. Ich weiß ganz genau wie einmal während meiner Arbeit auf meine Hände geguckt und mir eingebildet habe, dass sie verschwinden. Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Vielleicht war ich deswegen so gereizt und habe mich zu Beleidigungen leiten lassen. Wahnsinn was einem so bewusst wird man anfängt darüber zu schreiben. Die Sekretärin hatte Recht. Man hätte sich das ganze Geld für den Dr. sparen können. Vielleicht sollte man es den Anderen sagen, dass man die Sekretärinnen fragen sollte als die Doktoren. Es ist einfach ein gutes Gefühl. So das sollte für das erste Mal reichen. Die Sache mit dem Schreiben hat wirklich Spaß gemacht. Nun muss ich aber los. Rudolph, Blitz, Donner und die anderen Renntieren scharren schon mit den Füßen. Ich habe schon meinen rot-weißen Anzug an, den ich immer bei der Arbeit trage und auch die obligatorische Mütze, die schon zu einer Art Markenzeichen wurden.  Wer hätte gedacht das der Weihnachtsmann einmal anfange würde Tagebuch zu schreiben, Genau Niemand. Ho ho ho ho.

Ich starre auf das Papier und kann nicht fassen was ich da lese. Ungläubig wandern meine Augen immer wieder über den Text. Mein Blick wandert in Richtung Himmel. Doch die Schneeflocken versperren mir die Sicht.  Aber ich bilde mir ein im Himmel einen Schatten von Renntieren und von einem Schlitten zu erkennen. Aber meine Gedanken können mir auch einen Streich spielen. Vielleicht will ich etwas sehen woran ich glauben kann. Das Stück Pergament rolle ich zusammen und packe es in meine Jackentasche. Ich ordne mich wieder in die Menge hinein und lasse mich durch die Stadt tragen. Ein Lächeln huscht über meinen Gesicht, denn eins bilde ich mir nicht ein und das ist  der Klang von verschiedenen kleiner Glöckchen, der aus dem Himmel kommt.

 

 

 

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2 Gedanken zu “Das Tagebuch (4. Advent)

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