Rassismus ist keine Meinung

Hallo liebe Freunde des Lesens,

letzte Woche war die Frankfurter Buchmesse. Die Messe ist eigentlich was schönes. Wo Vertreter der Branche sich treffen, wo man Kontakte knüpfen, Autoren hautnah erleben und sonst die Welt der Literatur entdecken kann z.b. mit dem Gastgeberland, das einen extra literarischen Fokus und Hervorhebung bekommt. Es ist eine friedliche Umgebung, in der sich jeder sicher fühlen soll. Wenn man so will bildlich gesprochen und als Vorstellung geht man Hand in Hand hüpfend, pfeiffend und mit einem breiten Lächeln durch die Halle und man wird überall freundlich begrüßt und es strahlen einem Gesichter entgegen.

Frau Kuhnke eine Autorin, die ihr erstes Buch (Schwarzes Herz) vorstellen wollte, hatte sich auch auf die Messe gefreut. Doch dann wurde bekannt, dass auch Verlage daran teilnehmen (u.a. Jungeuropa), die auffallen durch Rassismus, Gewaltandrohungen und Menschenfeindlichkeit. Frau Kuhnke selbst wurde von gewissen Mitgliedern bedroht, so schlimm sogar, dass sie mit Ihrer Familie umziehen musste, weil Ihre Adresse geleakt wurde und sie somit wortwörtlich zum Abschuss freigegeben wurde. Natürlich kann ich Frau Kuhnke verstehen, dass sie zu einer Veranstaltung in der Personen sind, die ihr Leben bedroht haben und immer noch dabei sind, nicht auftreten möchte. Das Schlimme ist auch nicht die Absage der Autorin, wie gesagt persönlich kann ich es absolut verstehen. Das wahre Schlimme sind die Reaktionen darauf. Klar im Internet kennt man die sogenannten Trolle, die aus dem Kontext gerissen Statements von der Frau Kuhnke präsentieren und versuchen das Opfer als Täter*in hinzustellen. Sie selber provziert gerne und ist sich auch dessen vollbewusst. Frau Kuhnke ist stark genug um sich mit diesen Nonames, die ihren Frust im Internet herauslassen, an sich abprallen zu lassen bzw spielt sie auch satirisch mit Ihnen. Doch wenn das Leben bedroht wird, da hört der Spaß dann auf. Aber es geht um andere Aussagen.

Die Literaturszene z.b. die Frankfurter Buchmesse auch als der Deutsche Börsenverein sehen die Messe als eine Ort für alle an. Genau hier haben wir das Problem. Irgendwo hört das „für alle“ auch mal auf. Es können andere Meinung toleriert werden, aber Rassismus ist keine Meinung. Sondern einfach nur ein Hass auf Menschen, die nichts verbrochen haben und nur durch ihre Herkunft und Aussehen benachteiligt oder wie einzelne Amokläufe und Terror zeigen zu Todesopfer werden. Das schon seit Jahren, Jahrzehnten, eigentlich schon immer. Muss man diese Menschen, die diesen Hass verbreiten tolerien? Nein muss man nicht. Doch dann liest man Zeitungen oder Teilnehmer*innen /Veranstalter*innen der Messe werden interviewt und dann kommen solche Aussagen, jetzt überspitzt gesagt, „Sie soll sich nicht so anstellen“, „Selber schuld mit ihren Provokationen“, „Die Messe grenzt niemanden aus“ oder „eine Demokratie muss das aushalten“. So so muss sie das? Muss man den Mord an Politiker*innen (Lübcke), an wehrlosen Bürger*innen (NSU-Morde oder Amokläufe) oder Chat-Gruppe von der Polizei, die Hass und Menschenfeindlichkeit verbreiten, aushalten? Ist Rassismus einfach nur ein bockiges Kind was, wenn es genug geschmollt hat, irgendwann aufhört? Manchmal hat man das Gefühl, dass gerade Verwantwortliche das so sehen. Doch habe wir nichts aus der Geschichte gelernt?

Persönlich lesen ich zum Beispiel gerne Geschichte oder Bücher, die mir eine andere Perspektive geben, die mich erkennen lassen worunter gelitten wird und was ich vielleicht sogar besser machen kann. Im Gegensatz zu manchen weiss ich, das ich in einer Position bin, in der ich absolute Priviligien genieße. Doch anstatt, dass ich mich angeriffen fühle, wenn jemand sagt er/sie ist Opfer von Rassismus oder Diskriminierung, höre ich zu und ich muss meistens, weil auch faktisch nichts anderes übrig bleibt, auch zustimmen. Mir bleibt nichts anders übrig, weil die Geschichte und die Fakten lügen nicht, die Erfahrung, die andere machen sind leider real. Allein schon die Reaktionen, die den exsistierenden Rassismus realitivieren, (s. oben genannte Aussagen) zeigen doch offentsichtlich, dass wir immer noch ein Problem haben und weit davon entfernt sind ein Land zu sein, wo sich Menschen jegliches Aussehens sich sicher fühlen können. Ja man hat das Gefühl, dass man sich ständig wiederholt. Wenn Jemand sagt „Die Flüchtlinge können doch alle zurück, sind doch freiwillig gekommen“ dann muss man den Mund aufmachen und sagen das stimmt einfach nicht, es ist einfach nicht wahr. Man muss erkennen das Armut, Hungersnot, Krieg und Verfolgung (ausgenommen sind natürlich Straftatten) die Gründen sind, deswegen nennt man sie ja auch Flüchtlinge. Man verlässt nicht freiwillig das eigene Land, sondern man wird gezwungen, sonst würde würden wir sie Auswanderer nennen und nicht Flüchtlinge. Aber anstatt Flüchtlingen bin ich dafür das wir sie „Menschen, die Hilfe brauchen“ nennen, ist zwar länger klingt aber nicht so abwertend und nach Schubladendenken. Vielleicht würde diese Formulierung auch bei vielen Menschen im Denken etwas ändern.

Was auch ganz wichtig ist, dass Deutschland sich endlich mit der Geschichte des Kolonialismus auseinandersetzen muss. Denn wie kann es sein, dass der Völkermord an der jüdischen Bevölkerung und auch der Raub derer Kunst sehr gut und ausführlich aufgearbeitet wird, während der Völkermord an die Hereo und Nama in Afrika nicht erwähnt, als auch die Ausstellungen von offensichtlichen Raubgut aus Afrika immer noch toleriert wird sogar verteidigt wird, wenn man darauf hinweist? Warum kümmern wir uns um den einen dunklen Fleck der deutschen Geschichte ignorien aber den anderen, wobei das genau wie die NS-Zeit eindeutig und wiederruflich zum Rassismus gehört? Wenn wir ihn bekämpfen wollen dürfen wir auch diesen Teil der deutsche Geschichte nicht ignorien. Nur so nebenbei auch ganz interressant: Eine Art moderner Kolonialismus hat auch nach der Wende stattgefunden, worunter Ost-Deustchland immer noch leidet und wie wir heute sehen den Rassismus im Osten gestärkt hat.

Aber genung davon. Was hat jetzt die Situationen mit Frau Kuhnke auf der Frankfurter Buchmesse uns wieder gezeigt? Das Männer, größenteils weiße Männer, es wieder realitivieren und sich dessen nicht bewusst sind aus welcher Position sie argumentieren, wir schaffen es einfach nicht uns um die Opfer zu kümmern und ganz wichtig wir schaffen es nicht das Menschen sich sicher fühlen. Klar muss man sich eindeutig gegen Rassismus positionieren, doch man muss nicht einen Ort besuchen, wo Menschen sind, die einen bedrohen, den Tod wünschen bzw. menschenverachtend beleidigen. Anstatt auf Frau Kuhnke herumzutreten sollte sich doch die Veranstalter*innen fragen ob sie es in kauf nehmen wollen ein Ort zu sein, an dem man sich nicht sicher fühlt oder wie andere es formulieren „Ein Ort der Freiheit“ (wobei hier das Wort Freiheit anders interpretiert wird) . Und ja ich bin weiß, hetero und mänlich, deswegen kann ich auch nicht viel zu den Thema Rassismus und Diskriminierung sagen, weil ich persönlich davon nicht betroffen bin. Aber im Gegensatz zu anderen Menschen würde ich nie auf die Idee kommen als „weißer“ in einer Sendung über Rassismus aufzutretten und über ein Thema zu reden worüber ich keine Erfahrung haben kann aufgrund meiner Hautfarbe oder meines Geschlechts. Haben die Veranstalter*innen und auch eingeladenen Gäste keine Empathie bzw. können die Eingeladenen nicht einfach sagen: „Hä wieso ich? Das ist doch unlogisch und spiegelt das Thema nicht wieder“ oder ist Geld und PR doch so wichtig , dass man Opfer mit Füßen tritt? Aber und das ist ganz wichtig man kann Empathie haben, sollten man haben, dass ich rate auch Medizinern und Juristen. Frau Kuhnke muss nicht nur gegen Rassismus kämpfen, sondern dass sie eine Frau ist spielt auch eine Rolle. Krieg an allen Fronten sozusagen. Keine Vernschaufpause. Also ich frage nochmal wie ist es möglich von Sicherheit und Schutz zu sprechen, wenn die Gesellschaft immer noch rassistisch und frauenfeindlich agiert? Wann merken die Menschen, die in der Verwantwortung sind, dass sie eher Zuspruch bekommen, wenn sie mal hart durchgreifen und zeigen dass sie Menschen schützen kann und zwar berechtiger Schutz?

Das hat auch nicht mehr mit Meinungsfreiheit zu tun. Wenn du jemanden bedrohst und beleidigst, dann ist das keine Meinung. Es auch keine Meinung den Angriff zu realitivieren. Da gibt es nichts schön zureden auch kein „aber“ gibt es. Einfach nein. Wenn wir eine Gesellschaft wollen, in der Menschen jeglicher Hautfarbe sich sicher fühlen, dass Frauen nachts als auch Tagsüber allein und sicher durch die belebte Stadt gehen können, dann müssen wir endlich Flagge zeigen. Es fatal und brandgefährlich, wenn man Menschen sagen hört: „Jetzt ist aber genug mit dem Thema“. Nein ist es nicht. Solange es Menschen gibt, die meinen andere zu bedrohen, wenn nicht sogar gewalt anwenden aufgrund des Geschlechts, Ihrer Identität (z.b. Hautfarbe oder Religion) oder Ihrer Sexualität, dürfen wir nicht müde werden. Wir dürfen vor Aggressionen uns nicht einschüchtern lassen (dazu zählt auch eine Messe nicht zu besuchen, was viele aber als Einschüchterung sehen was einfach falsch ist ). Der Staat sollte nicht nur reden, sondern auch endlich sich dafür einsetzen, Menschen zu schützen und keine Fremdbestimmung über sie ausüben (z.b. Paragraph 219 a auch ein wichtiges Thema, wo es eigentlich menschlich gesehen bzw empatisch keine zweite Meinung geben darf).

Auch wenn dieser Blog nur für Bücher steht, dann sollte eins klar sein wie er sich politisch als auch menschlich orientiert. Es tut gut das aufzuschreiben. Es tut gut das zu sagen. Weiterhin werden auch Bücher kommen, die auf diese Thematik setzen. Auf Aufklärung, Toleranz und ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander. Noch dazu muss ich sagen dies ist nur eine Meinung zu diesem Thema, es ist ein Gefühl, das ich aufschreibe. Gerne lassen ich mich von guten Menschen und da gibt es viele, aufklären, höre ihnen zu und bilden mir dann eine Meinung, wir ihr sehen könnt eine sehr eindeutige. Das ist auch nicht wie manche jetzt sagen würden, dass mir eine Meinung aufgezwungen wird, sondern dass ist das Verständnis für Empathie, die leider vielen abhanden gekommen ist. Meinungsfreiheit ist, das den Unterdrückten zugehört wir, dass sie die Chance haben auf sich aufwerksam zu machen. Dafür wurde die Meiungsfreiheit eingeführt und nicht, dass die Unterdrücker ihr menschenverachtendes System weiter legitimieren. Ein Großteil der weißen Menschen (besonders Männer) sind einfach nicht unterdrückt, weswegen es in meinen Augen ein bisschen lächerlich wirkt, wenn dann sowas kommt wie „aber….“.

In MeinerLiteraturWelt bzw auf diesen Blog ist jeder willkommen, soll sich jeder wohlfühlen und jeder kann auch hier Bücher entdecken. Es wird nicht beleidigt, es wird kein Hass/Rassismus verbreitet und niemand diskriminiert. Leider ist dieser Zustand nur virtuell möglich. In Wahrheit haben wir noch eine ganz langen Weg vor uns. Wir sind erst ganz am Anfang. Gibt nicht auf. Geht weiter. Lasst euch nicht bremsen. Setzt euch für die Menschlichkeit ein und das ist und kann nur ein Miteinander sein.

Trotz allem solltet ihr bzw. wünsche ich euch

Viel Spaß beim Lesen

Meineliteraturwelt (Jan Erichson)

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