Das Räuchermännchen

Hallo liebe Freunde des Lesens,

ersteinmal wünschen ich euch allen einen schönen 3. Advent. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben sollten ich habe eine kleine Aktion gestarte, dass ich zu jedem Adventsonnatg eine Weihnachtsgeschichte von mir selber geschrieben präsentiere. Nun ist es wieder soweit.

Habt Ihr euch schon mal gefragt wozu die Pfeife bei einem Räuchermänchen da ist und was in der Nacht passiert wenn alle Menschen schlafen gehen? Nein? Dann viel Spaß bei der Geschichte.

Falls Fehler auftauchen sollten die den Lesefluß stören dann bitte euch wieder mich darauf hinzuweißen. Ich werde es dann korrigieren.

Jan Erichson

Das Räuchermännchen

Von Jan Erichson

Auf einem Tisch steht ein Räuchermännchen. Eine Pfeife im Mund, ein Vollbart aus Watte verziert sein Gesicht.  Mit großen, weit aufgerissenen Augen starrt es in den Raum, die Arme im Neunziggradwinkel vom fülligen Holzbauch abstehend.  Seine Hose ist grün bemalt, seine Schuhe schwarz, so steht er auf dem Holzsockel. Goldene Knöpfe sind auf  seiner blauen Jacken, die auf seinem Oberkörper gemalt ist. Aus seinem Mund kommt Rauch, in seinem Körper glüht ein Weihrauchzäpfchen, welches einen weihnachtlichen Duft erzeugt.  So steht er da den ganzen Tag über. Beobachtet wie kleinen Menschen miteinander spielen, wie große Menschen sich miteinander unterhalten. So vergeht der  Tag. Die Sonne tauscht mit dem Mond die Plätze. Die Zeiger der Uhr gehen der Zwölf entgegen. Zuerst gehen die kleinen Menschen, müde vom Spielen, aus dem Raum. Die großen Menschen bleiben noch etwas länger, trinken rote Flüssigkeit aus einer durchsichtigen Schale, die auf einer Stange, die auch durchsichtig ist,  befestigt ist.  Auch die großen Menschen verlassen den Raum nach einer Weile. Die Sonne ist schon längst auf der anderen Seite des Erdballs. Die Zeiger der Uhr  stehen kurz vor beginn ihrer erneuten  Reise um die Scheibe. Ein Teufelskreis.  Der letzte große Mensch pustet die Kerzen am grünen Baum aus  und schaltet das Licht aus. Der Raum liegt im Dunklen. Man hört, dass Personen Treppen hochgehen, denn knarrende Geräusche sind zu vernehmen. Türen  öffnen sich und schließen sich. Vereinzelt sind Gute Nacht Rufe zu hören. Dann ist es Still im Raum. Alle sind schlafen gegangen, keiner wird mehr den Raum betreten.

„Hust…pfff…..ätze“, schallt es auf einmal durch den Raum.  Das Räuchermännchen erwacht zum Leben. Zuerst bewegen sich die Augen, dann die hölzernen Arme. Plötzlich beugt es sich nach vorn und übergibt sich.  Auf den Tisch breitet sich schwarze Asche aus. „Bäh…Pfui….“, mit den Händen geht es in seine Mundöffnung um die letzte Reste der Asche zu entfernen, denn nichts ist schrecklicher als die ganzen Zeit einen Geschmack von Asche auf der Zunge zu spüren.  Die Pfeife fällt dabei herunter und bleibt am Ende des Tisches bei der Weihnachtspyramide liegen. „Na toll“, grummelt das Männchen. Es guckt hinunter auf seine hölzernen Beine. Man glaubt es nicht, wie schnell man vergisst die Beine zubewegen, wenn man den ganzen Tag steht ohne auch nur eine winzige Bewegung zu machen. Ächzend und mit einer gewissen Langsamkeit hebt er sein rechtes Bein hoch. Leichtes splittern des Holzes ist zu hören.  Langsam noch leicht schwankend, wegen der Unsicherheit, steigt er vom Holzsockel. Er bleibt erstmal stehen  und macht Kniebeugen, wobei er seine Arme wieder in dieser für ihn unangenehmem Neunziggradwinkelhaltung strecken muss, um sich aufzuwärmen.  Nach ein paar Übungen fühlt er sich bereit die Strecke in angriff zu nehmen. Mit seinen kleinen Holzbeinen macht er kleine Schritte und nähert sich der Weihnachtspyramide. „Hey Männchen! Wohin des Weges?“, ruft jemand aus einer gewissen Entfernung. Das Männchen guckt in die Richtung aus der der Ruf kommt. Der Grüne Baum steht dort, an seinen Ästen hängen Figuren. Jede Figur hat seinen eigenen Ast.  Ein Zinnsoldat ist es, der gerufen hat. Ansonsten hängt ein Schaukelpferd, ein paar Kugeln und ein paar Engel an den Ästen, dazu gesellen sich noch anderen Figuren, die das Räuchermännchen nicht identifizieren kann.  „Ja Genau Männchen! Wohin des Weges?“ äfft das Pferd den Zinnsoldaten nach.  „Ich habe mein Pfeife verloren, nun liegt sie…..hust“, ein bisschen Asche kommt aus seinem Mund. Das Räuchermännchen muss sich räuspern und fährt dann fort, „… dort hinten bei der Weihnachtspyramide.“  „Welche Raucher verliert seine Pfeife?!“  „Ja Genau welcher Raucher verliert seine Pfeife? Du Pfeife!“ Der Zinnsoldat guckt das Pferd argwöhnisch an. „Entschuldigung.“, murmelt es leise. Nach dieser kurzen Verwirrung spricht der Zinnsoldat weiter, „Nun vielleicht soll das bedeuten, dass du aufhören sollst zu Rauchen.“ „Ja Genau…“ „Nein du hältst jetzt erstmal dein Maul Pferd. Du solltest wissen, dass du meine Geduld genug  strapaziert hast.  Wenn du dich weiter einmischt, dann bekommst du Ärger. Das garantier ich dir.“ Das Pferd gar nicht dumm, ist sich der Tatsache bewusst, dass der Zinnsoldat  zwei Zweiglängen entfernt ist und  seine Drohung nur heiße Luft ist. So antwortet das Pferd frech mit neuem Selbstbewusstsein: „Was willst du machen? Mich hängen? Da muss ich dich enttäuschen, denn hängen tue ich schon.“ Der Zinnsoldat wird rot vor Zorn. Doch im Gegensatz zum Räuchermännchen ist  sein  Körper an der Schnur befestigt  und so schafft er es nur, dass der Ast sich ein klein bisschen bewegt, aber noch nicht mal bedrohlich. Dies entzürnt den Zinnsoldaten umso mehr und bald ärgert er sich nicht mehr über das Pferd, sondern über den Zweig. Das Pferd kommentiert diese ganz Situation mit einem Wiehern, dass  anscheinend ein  Lachen darstellen soll. Das Räuchermädchen beachtet die Beiden nicht mehr und schaut in Richtung Weihnachtspyramide. Doch seine Pfeife kann er nicht sehen. Er versucht das Gefühl der Enttäuschung  in sich zu ignorieren.  „Räuchermännchen? Wieso so traurig?“, ertönen Kinderstimmen im Chor. Das Räuchermännchen guckt nach Rechts. Auf einer Kommode, welche nicht weit entfernt vom Tisch ist, ist ein Engelschor aufgestellt. Die zarten Gesichter gucken ihn  an, als ob sie seine Seele sehen  können.  Eigentlich will das Räuchermännchen weiter gehen, doch kann es sich von diese Blicken nicht lösen, also erzählt es: „Nun ich musste mal wieder die ganze Asche aushusten, irgendwie war es dieses mal Schlimmer als zuvor. Ich glaube die Menschen hatten vergessen mich vorher zu reinigen.  Jedenfalls beim Husten ist mir meine Pfeife aus dem Mund gefallen über den ganzen Tisch hin zur Weihnachtspyramide gerollt. Doch  ich kann sie nicht mehr sehen. Es ist meine einzige Pfeife. Ich mein was bin ich für ein Räuchermännchen ohne Pfeife im Mund, das hat doch gar keinen Sinn mehr. Ich brauche sie. Sie ist meine Identität.“ Der Engelchor hört schweigend zu. Ihre traurigen, zarten Gesichter sehen so zerbrechlich aus, wenn das Räuchermännchen könnte würde es jetzt weinen.  „Du brauchst nicht traurig sein, wir sehen deine Pfeife von hier aus. Sie ist hinter die Weihnachtspyramide gerollt, deswegen kannst du sie nicht sehen.“  Das Räuchermännchen hat wieder neuen Mut gesammelt: „Ich danke euch vielmals.“ Noch nicht mal ein Lächeln ist auf den traurigen Gesichtern zu sehen und wo das Räuchermännchen noch kurz Mitgefühl gezeigt hat, regt sich jetzt leicht Verachtung: „Mein Güte, die können wenigstens  mal Lächeln. Schließlich bin ich es der seinem Platz verlassen muss um seine Pfeife zu finden“, denkt es sich.

Von der Weihnachtspyramide sind die Kerzen abgebrannt nun liegt sie da im Dunklen. Strahlt immer noch eine Schönheit aus, auch wenn sie jetzt  in der  Dunkelheit liegt.  Das Rad wirft keinen Schatten mehr an die Decke, dabei ist das immer das Schönsten an der ganze Pyramide. Das Räuchermännchen bleibt noch eine Zeitlang davor stehen. Er überlegt, dass er doch mal öfter vorbei kommen sollte, auch wenn er nicht gerade seine Pfeife sucht. Jetzt muss er nur noch hinter die Pyramide um seine geliebte Pfeife zu holen, dann hat er es geschafft. Ein Stöhnen lässt ihn inne halten.  Dunkle Umrisse sind auf der Weihnachtspyramide zu sehen. Das Räuchermännchen schaudert  bei diesem Anblick. Der Mond scheint durch das Fenster und gibt genügend Licht auf die Umrissen. Es waren die Figuren der Weihnachtspyramide, die sich hockend, liegend, stöhnend sich winden. „Boah ist mir übel!“  klagt die Joseph Figur. Maria ist vorne übergebeugt und pustet Luft aus. „Frag uns mal.“ Klagen die Engelsfiguren, die ganz grün im Gesicht sind. Ihre Trompeten benutzen sie als Gehhilfen. „Entschuldigung…“, kommt es zögerlich vom Räuchermännchen, „kann einer von euch mir helfen meine Pfeife zu holen?“ Böse Blicke schauen auf ihn herunter. Eine Hirte meldet sich zu Wort: „Hör mal zu! Wir drehen uns jeden Tag im Kreis und finden nur in der Nacht Ruhe.  Unser Leben ist eine einzige Karussellfahrt, die uns Schwindel und Übelkeit bringt. Erwartest du etwa, dass wir dann noch die Zeit haben deine dämliche Pfeife zu holen.  Du stehst nur den ganzen Tag da, rauchst und machst es dir bequem!“  Das Räuchermännchen hat genug. Nicht nur, dass er seine Pfeife verloren hatte, von einem Zinnsoldaten und einem Pferd beleidgt wurde,  depressiv dreinblickende Engel ertragen musste, jetzt muss er auch noch eine Standpauke von einem mickrige Hirten über sich ergehen lassen.  Sein Geduldsfaden ist gerissen, wobei ihm jetzt erst bewusst wurde, dass er einen hatte. „Du denkst also ich rauche gerne?!“, schreit er den Hirten an, welcher von der  aggressiven Lautstärke überrascht ist und verdutzt drein blickt, „Ich sage dir mal was“, fährt das Räuchermännchen unbeirrt fort. Ihm ist es egal wie laut er ist und dass alle ihn jetzt anstarren, selbst der Zinnsoldaten am Tannenbaum guckt schockiert. „Ja ich bin ein Räuchermännchen und ja ich stehe den ganzen Tag rum. Aber ich möchte eins klar stellen nämlich, dass das Rauchen für mich eine Folter ist. Es brennt innerlich und jedes Mal der ätzende Qualm, welcher sich bildet und sich durch meine Mundhöhle schiebt. Ständig schmecke ich Asche auf der Zunge und du denkst ich genieße das? Verdammt noch mal ich bin Nichtraucher!“ Alle sind still. Keiner hätte gedacht, dass ein Räuchermännchen ein Nichtraucher ist. Selbst die Engelsgesichter haben  nicht mehr einen depressiven, sondern einen mitleidigen Blick auf den Gesichtern. Man hört nur noch die Uhr Ticken und das laute ein- und ausatmen des Räuchermännchen, welches erstmal nach Luft schnappen muss, nach dieser anstrengenden Standpauke. „Vielleicht ist das Gefühl des Schwindels nicht allzu schlecht.“, murmelt der Hirte in sich hinein „Also“, fährt das Räuchermännchen jetzt unbeirrt, aber immer noch mit einer gewissen Drohung in der Stimme fort, „ wo ist meine Pfeife, denn sie ist das einzige was mich beruhigt, ohne sie könnte ich diese Qualen nicht ausstehen. Sie gibt mir frische Luft. Die Pfeife ist eine Art Filter, dir mir den Aufenthalt in der Hölle erträglicher macht.“ Alle Figuren von der Weihnachtspyramide zeigten gleichzeitig auf eine Stelle. Dort halb versteckt unter der Weihnachtspyramide liegt sie seine Pfeife.  Er hebt sie auf und geht zu seinem Platz, gefolgt von den Blicken der anderen. Es kümmert ihn nicht, er freut sich einfach, dass er seine Pfeife wieder hat. Schnell noch holt er einen kleinen Besen aus seiner Jacke um die Asche wegzufegen. Letztendlich steht er wieder auf dem Holzsockel und hat die Arme  im Neunziggradwinkel, als die Sonne wieder auftaucht.

Als erstes sind die kleinen Menschen gekommen. Haben sich heruntergeschlichen um die Geschenke schon zu öffnen. Plötzlich fangen an sich welche zu streiten, während der kleinste Mensch sich dem Tisch nähert, wo das Räuchermännchen steht. Fasziniert guckt  er das Räuchermännchen an und nimmt dabei mit seinen kleinen Händen die Pfeife aus dem Mund.  „Was macht ihr den schon hier unten?“   Ein großer Mensch steht plötzlich im Türrahmen. Blickt böse die beiden Streithähne an. Die hatten aufgehört und gehen mit gesenkten Köpfen aus dem Raum hinauf in ihr Zimmer. Der kleinste Mensch steht immer noch, faszinierend von der Pfeife, vor dem Tisch. Der große Mensch kniet sich in die Hocke. „Du gehst am besten auch erstmal wieder nach oben, Wir werden euch rufen wenn es soweit ist.“ Der kleine Mensch geht Richtung Treppe. „Na Hast du nicht was vergessen?“, kommt es vorwurfsvoll vom großen Mensch.  Schnell hat der kleine Mensch die Pfeife zurück in den Mund von dem Räuchermännchen gelegt. „Wieso ist es wichtig, dass die Pfeife da ist?“ kommt von ihm geflüstert. „Hast du schon einmal ein Räuchermännchen ohne Pfeife gesehen?“ Staunend schüttelt der kleine Mensch den Kopf und als ob seine Frage damit beantwortet wäre, verschwindet auch er in seinem Zimmer. Der große Mensch guckt dem kleinen hinterher,  bevor er den Blick zum Tisch wendet. Konnte es sein, dass vor dem Räuchermännchen die Krümel weg sind, als ob sie jemand wegfegt hat? Nein, anscheinend hatte er sich das Gestern eingebildet, dass vor dem Räuchermännchen Krümel von den Keksen lagen. War auch schon spät und er hatte das ein oder andere Glas Wein getrunken.  Schnell noch einen Blick auf die Geschenke und ein leichtes schmunzeln breitet sich auf seinen Lippen aus. Er erinnert sich wie auch er als kleines Kind versucht hatte die Geschenke zu öffnen und auch sein Vater hatte ihn immer erwischt. Er verlässt den Raum. Wenn doch nur der große Mensch wüsste, das er gerade dem Räuchermännchen einen riesen großen Gefallen getan hat, aber so bleibt das Geheimnis geheim. Nur die Weihnachtsfiguren wissen jetzt die Wahrheit.

 

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Die Glaskugel

Hallo liebe Freunde des Lesens,

ich fahre nun fort mit meiner Aktion. Somit stelle ich am 2. Advent eine weitere Geschichte von mir rein. Die Nächsten werden auch wieder ein wenige kürzer versprochen. Nochmals zu Erinnerung bei mir geht es in den Geschichten auch um Weihnachten und sind doch etwas Anders.(Denke ich) Bei Fehlern, die den Lesefluß stören bitte melden. Ich versuche es dann zu verbessern bin ja schliesslich keine Maschine.

Ich wünsche euch allen einen schönen 2ten Advent.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
Jan Erichson

Die Glaskugel

von Jan Erichson

Schnaufend hievt der Weihnachtsmann den großen, braunen Jutesack aus dem Schlitten. Mit dem roten Handschuh an seiner rechten Hand holt er ein rot-weißes Taschentuch hervor mit dem er sein schweißnasses Gesicht abwischt. Seine Renntiere gucken ihn wissend an. „Ja, Ja ist gut. Ich hätte mich nicht so gehen lassen sollen“ Irgendwie kommt ihm das Haus höher beziehungsweise das Dach größer vor als es letztes Jahr war.  „Habe ich eigentlich letztes Jahr auch schon so geschnauft und gepustet?“, fragt er sich lautstark. Die Renntiere gucken ihn spöttisch an, dass er mit einem empörten Blick erwidert. „Was wisst ihr denn schon?! Ihr seid doch nur Renntiere und habt keine Ahnung wie sich ein Weihnachtsmann fühlt.“ Die Renntiere strafen ihn mit einem Blick, der sagen soll: „Auf wen bist du angewiesen? Wer zieht den Schlitten schon seit hunderten von Jahren?“ Der Weihnachtsmann sagt daraufhin nichts mehr, denn eigentlich wollte er so schnell wie möglich wieder zum Nordpol in seinen warmen Sessel sitzen und seinen Punsch mit einem Spritzer drinnen genießen. Während er seine Füßen auf dem Schemel gelegt hätte würde von draußen das Geräusch der Elfenwerkstatt Musik in seinen Ohren sein. Doch auf einmal verschwimmt dieser Traum. Der Weihnachtsmann öffnet seine Augen und anstatt im Sessel zu sitzen am Nordpol steht er auf einem Dach in der Kälte und die Renntiere gucken ihn tadelnd an. „Ihr gönnt mir auch rein gar nichts oder?“ Er wartet nicht auf eine Antwort. Er schultert den Jutesack über seine Schultern, wobei er sich zusammenreißen muss nicht vor den Augen der Renntiere zusammenzubrechen. Er kann spüren dass sie nur darauf warten, dass seine Beine nachgeben.  Als er einigermaßen stehen bleibt -„Ha von wegen ich knicke ein!“- geht er mit schweren Schritten in seinen schwarzen Stiefeln durch den kniehohen Schnee zum Schornstein hin. Sein Blick wandert in den Schornstein und sieht nur Schwärze. Er kann noch nicht mal das Holz sehen auf der Feuerstelle. „Bin ich wirklich immer durch den Kamin gekommen?“ fragt er unsicher als er auch noch feststellen muss, dass der Schornstein sehr schmal aussieht.  Helfend suchend guckt er zu den Renntieren in der Hoffnung sie werden Kopfschütteln und sagen, dass er sich immer rein teleportiert hat. Doch zu seinem Verdruss sieht er nur wie alle Rentiere von Donner bis Blitz mit den Kopf nicken, so dass dabei die Glöckchen an ihrem Geschirr nur so bimmeln. Er meint auch sich einzubilden ein Lächeln auf den Rehmündern zu sehen, wobei Rehe können nicht lächeln oder etwa doch?  Schnell wischt er sich diesen Gedanken aus dem Kopf und konzentriert sich auf den vor schwärze triefenden Schornstein. Der Weg zur Hölle sieht wahrscheinlich angenehmer aus und außerdem ist es dort auch wärmer als hier auf den Dach zu stehen, denkt sich der Weihnachtsmann während er vor dieser Situation steht. Vielleicht liegt es aber auch an dem Alter. Als der Weihnachtsmann nämlich noch jung war, war alles viel einfacher und weniger anstrengend gewesen. Jetzt muss er erst mal überlegen wie genau er das mit Schornstein anstellen soll. Wie ist er sonst herunter gekommen? Gedanklich geht er die einzelnen Schritte noch einmal durch:

  1. Tief durchatmen
  2. Den Jutesack fest umklammern
  3. In die Knie gehen
  4. Abspringen

Es sind nur diese Vier Schritte. Er schüttelt den Kopf als er überlegt ob es vielleicht doch Fünf Schritte sein könnten. Doch er kommt zu dem Schluss, dass Fünf eine doofe Zahl ist und man sich Vier Schritte viel besser merken kann als Fünf. Nächsten Mal sollte er vorsichthalber die Schritte auf einen kleine Zettel schreiben, den er dann jedes Mal herausholen kann. Das würde auf jeden Fall Zeit sparen. Die Gedächtnislücken tauchten in letzter Zeit nämlich  immer häufiger auf weswegen er das mit Zettel auch in Angriff nehmen muss.  Bevor der Weihnachtsmann die Vier Punkte ausübt schließt er seine Augen.  Mit geschlossenen Augen fühlt er sich wohler und kann dadurch gleichzeitig die Blicke der Renntiere ignorieren. Er atmet tief durch, fasst mit seiner rechten Hand den Jutebeutel noch fester, geht in die Knie und springt ab.

Das dumpfe Geräusch hört sich für den Weihnachtsmann nicht gut an und dass er immer noch die kalte Luft auf seinem Gesicht spürt bedeutet auch nichts Gutes. Er ist sich unschlüssig ob er die Augen aufmachen soll.  Er kommt zu dem Schluss, dass die geschlossenen Augen ihm in dieser Situation nicht helfen können. Ganz langsam hebt er die Augenliedern und guckt direkt in die Gesichter der Renntiere. Anscheinend haben sie etwas zu Essen gefunden, denn ihre Kiefer rotieren in Kreisbewegungen. Die Fragen Woher? und Wie? stellt er sich schon lange nicht mehr. Am Anfang wollt er es unbedingt wissen was sie essen. Doch  die anfängliche Neugier, die er verspürt hatte ist erloschen nach mehrfachen Scheitern. Sein Blick wandert nach unten und dann ist ihm die Zwangslage bewusst, in die er sich befindet. Seine Beine hatten es geschafft in den Schornstein reinzukommen, doch der restliche Körper wird durch eine sehr deutliche hervorgehobene Speckschwarte, die sich im Bauchbereich gebildet hat, aufgehalten. „Verfluchte Schei….!?“ In letzter Sekunde kann er sich die Hand vor den Mund halten. Eigentlich sollte es für ihn keine Überraschung sein, denn dieser Bauch ist nicht erst seit heute da. Anscheinend hatte sein Bauch im Laufe der Jahre beschlossen am Umfang zu zunehmen und auch den neu gewonnenen Umfang beizubehalten. Es ist aber das erste Mal, dass dieser Bauch Probleme beim Schornstein macht. Letztes Jahr ging es ja auch. Innerlich verflucht sich der Weihnachtsmann keinen kleinen Zettel geschrieben zu haben, wo auch drauf steht wie er in solchen Situationen verfahren soll. Mit beiden Händen fährt er sich durch seinen langen weißen Bart. Diese Geste nennt er „Den Denker“, auch wenn die Weihnachtselfen in der Werkstatt sagen er sieht dabei aus wie ein Neunmalkluger, der gerade Ahnungslos ist. Ein Geistesblitz trifft ihn. „Wieso bin ich nicht gleich darauf gekommen?“ murmelt er laut vor sich hin. Denn es gibt außer den Vier Schritten, die er noch einigermaßen Auswendig kann tatsächlich noch einen Fünften Schritt. Dieser Schritt ist sogar der entscheidende ohne den es überhaupt nicht funktionieren kann:

  1. Nicht darüber nachdenken

Den Jutesack lässt er auf das Dach fallen. Bevor er diesen Fünften Schritt macht muss er sich erstmal locker machen. Leider kann der Weihnachtsmann nur die Arme dehnen, da die Beine im Schornstein feststeckten. Den Kopf nach rechts und links drehen bis es ein knackendes Geräusch gibt. Zum Schluss macht er mit seinen Armen noch kreisenden Bewegungen.  Er greift wieder nach den Jutebeutel und atmete nochmals tief durch. „Nicht nachdenken.“ , ruft er sich in Gedanken immer wieder auf. Wäre ein Außenstehender, genau in diesem Moment die Straße entlanggegangen und hätte seinen Blick nach oben gerichtet würde er folgendes Bild sehen: Ein schwarze Gestalt, die wild mit den Armen rudert und andere kuriose Bewegungen veranstaltet. Dabei sieht man nur den Oberkörper, weil der Unterleib im Schornstein steckt. Der Beobachter hätte sein Smartphone gezückt und ein Bild geschossen, es in einem Sozialen Netzwerk präsentiert mit einem schönen Spruch darunter wie zum Beispiel: „Was stelle ich in der Nacht fest, der Weihnachtsmann steckt im Schornstein fest.“  Aber zum Glück ist es in dieser Nacht ruhig. Außerdem herrscht eine Kälte, wo die Menschen in ihren Häusern bleiben und an der Heizung sitzend ihre Hände reiben, weil es nicht warm genug werden kann.  Langsam fängt der Weihnachtsmann an zu spüren wie er gedanklich loslässt und dann geht es ganz schnell. Mit einem lauten Geräusch, als wenn ein Korken aus der Flasche gezogen wird, fällt er hinab in den dunklen Schacht vom Schornstein.

Der Ruß aus dem Kamin wird aufgewirbelt und bildet eine kleine Wolke, die sich im Wohnzimmer ausbreitet. Aber so schnell wie die Wolke entstanden ist verschwindet sie auch wieder. Aus dem Kamin gestiegen kommt ein sehr kräftiger, weißbärtiger Mann ohne jegliche Rußrückstände im Gesicht oder auf den Klamotten. Sein Blick wandert zu der eine Ecke im Wohnzimmer wo der Weihnachtsbaum steht. Es liegt alles schemenhaft im Dunklen.  Das Ziel anvisiert wirft er sich den Jutebeutel auf den Rücken und setzt seine rechten schwarzen Stiefel auf den Teppichboden.  „Schon mal etwas von anklopfen gehört?“ kommt es frech aus der anderen dunklen Ecke des Wohnzimmers. Es wird heller in dem Raum als ob jemand gerade einen Lichtdämmer aufdreht. Ein helles Licht herrscht nun, dass den Weihnachtsbaum in all seiner Pracht und Farbe zeigt. Die Augen des Weihnachtsmannes wandern zur der Ecke aus der die Stimme gekommen ist. Ein kleiner Junge im Alter von 10 Jahren steht breitbeinig, die Arme vor die Brust verschränkt da und  guckt ihn herausfordernd an.  „Irgendein Problem Kleiner?“, kommt es trocken vom Weihnachtsmann. „Sehe ich so aus als hätte ich Probleme? Ich denke Sie haben durchaus dickere Probleme. Ich bin hier schon seit Sie auf dem Dach gelandet sind. Sie hatten es ja gar nicht eilig oder?“ Dabei zieht der Junge spöttisch die rechte Augenbraue hoch, die Arme immer noch vor die Brust verschränkt und mustert den Weihnachtsmann von unten nach oben und wieder von oben nach unten. Der Weihnachtsmann denkt sich, dass das Kind für sein Alter eine dicke Lippe riskiert und überhaupt weiß der kleine Racker überhaupt wen er vor sich hat? Der Weihnachtsmann ist sich sicher, dass der Junge es nicht weiß weswegen er  ihn die Frage tatsächlich stellen könnte. Doch bevor er den Gedanken zu Ende gedacht hat formen seine Lippen schon die Worte während die Stimme es in Ton verfasst: „Weiß du eigentlich, wer  dir gegenüber steht?“ Dabei lässt der Weihnachtsmann den Jutebeutel fallen, stellt sich breitbeinig hin und verschränkt die Arme vor seiner Brust um damit bedrohlicher zu wirken.

Wenn jetzt in diesem Augenblick jemand von außen durch das Fenster blicken würde, würde ihm eine aberwitzige Situation dargeboten: Vor einen Kamin steht  ein über 1,90 m großer, alter, dicker Mann in schwarzen Stiefeln, einer roten Pudelmütze, einem roten-weißen Mantel und eine weißen langen Bart.  Ihm gegenüber steht eine schmale gerademal 1,50 m hohe Gestalt,  Barfuß, mit kurzen braunen Haaren in einem Power-Ranger Schlafanzug. Beiden haben die Arme vor die Brust verschränkt und stehen breitbeinig da.

„Hmh lassen Sie mich raten…roter Mantel, sieht aus wie ein 200 Jahre alter Mann und ist so dick, dass er ein Erdbeben auf der anderen Seite der Erde auslöst, sobald er einen Schritt macht. Sie müssen der Osterhase sein!“ Es breitet sich ein teuflisches Grinsen auf den kleinen schmalen Lippen des Jungen aus. Der Weihnachtsmann atmet dreimal tief ein und aus um seinen Puls zu regulieren. Der Arzt hat gemeint er soll sich nicht mehr zu aufregen, denn das wäre nicht so gut für den Bluthochdruck. Deswegen kommt es ganz ruhig fast schon im Flüsterton vom Weihnachtsmann: „ Jetzt hör mal zu Kleiner!“ Die Halsschlager vom Weihnachtsmann pocht immer noch bedrohlich „Wahrscheinlich ist im Nachschlagewerk unter dem Wort „kleiner-verschissener-Klugscheißer“  ein Bild von dir drinnen. Jetzt kannst du deinen anderen Hosenscheißern in der Schule meinetwegen erzählen, wie du den Weihnachtsmann fertig gemacht hast. Tu mit nur einen kleinen Gefallen: Lass mich in Ruhe hier meine Arbeit machen! O.K?!“ Der kleine Junge lässt seine Arme sinken und seine Spannung im Körper lässt nach .Der Weihnachtsmann versteht das Schweigen als eine Art Zustimmung.  Er hievt seinen Jutebeutel auf die Schulter und nähert sich dem Weihnachtsbaum während der Junge immer noch am Lichtschalter steht. An dem Baum angekommen geht der Weihnachtsmann in die Knie und macht sich an die Arbeit. Während er die Geschenke unter dem Baum platziert spürt er im Rücken den Blick des kleinen Jungen. Um sich zu beruhigen summt der Weihnachtsmann ein klassisches Weihnachtslied. Aber im Gegensatz zu anderen Situationen kann ihn das dieses Mal nicht beruhigen, also hört er mit dem Summen auf. Nach wenigen Minuten holt der Weihnachtsmann das letzte Geschenk aus dem Jutebeutel und platziert es unter dem Baum zu den anderen Geschenken.

Jetzt kommt für den Weihnachtsmann das Schönste an dieser ganzen Schufterei: Das Glas Milch und einen Teller mit frisch gebackenen Plätzchen. Damit hat man auch die Erklärung für den zugewonnenen Umfang des Weihnachtsmannes gefunden. Mit voller Vorfreude wandert seine Hand zu dem kleinen Tisch. Dabei hat der Weihnachtsmann die Augen geschlossen, denn das Gefühl des Ertastens würde ihn für einiges Entschädigen, das heute passiert ist. Doch auf seinem Gesicht zeigt sich eine Überraschung, als seine Hand nur nach Luft greift. Der Weihnachtsmann öffnet seine Augen und sieht nichts. Keinen Tisch mit einen Glas Milch und einen Teller mit Plätzchen. Selbst mit mehrfachem Blinzeln taucht der Tisch nicht auf. Der Weihnachtsmann atmet tief aus um ein lautes Och Nö zu unterdrücken. Dabei merkt er wie die Worte schon auf seiner Zunge liege.

„Suche Sie etwas Bestimmtes?“, erklingt die Stimme des Jungen in seinem Rücken. Der Ton trieft vor Hohn und Frechheit, dass dem Weihnachtsmann es eiskalt den Rücken hinunter läuft. Der Weihnachtsmann dreht sich um sieht den Jungen an den Türrahmen gelehnt, kauend und in der rechten Hand ein halbleeres Glas Milch. Der einzige Gedanke, der jetzt durch den Kopf vom Weihnachtsmann geht ist, dass er diesem kleinen verfluchten Bastard, am liebsten den Hals umdrehen würde. Ja auch für einen Weihnachtsmann fällt es nicht leicht jedes Kind lieb zu haben, das ihm begegnet. Der Zehnjährige Junge hat ein Selbstbewusstsein, das erschreckend ist.  Es zeugt von einer Skrupellosigkeit einen alten Mann so in das offenen Messer laufen zu lassen. „Du willst doch bestimmt ein Geschenk haben oder?“ Der Weihnachtsmann sieht sich gezwungen den Jungen Paroli zu bieten und wenn es bedeutet auf die gleichen Mittel zurückzugreifen. Der Junge setzt ein ungläubiges Gesicht auf und legt in seine Stimme eine schauspielerische Dramatik herrein: „Ist das zu glauben?!“ Der Junge bietet eine glaubwürdige Performance, „Der Weihnachtsmann erpresst ein kleines unschuldiges Kind!“ Der erzeugte Tonfall des Jungen appelliert im Weihnachtsmann an das Gute weswegen er nervös auf der Unterlippe kaut. Zum Glück kann der Junge, das nicht sehen, weil der weiße Bart es verdeckt. Der Junge fährt in einem gespielten entrüsteten Tonfall fort: „Ich als Ihr Ernährungsberater, musste mit Entsetzen feststellen, dass sie  die letzten Jahren die Fitness und die Ernährung ganz schön haben schleifen lassen. Deswegen bin ich zum Urteil gekommen, dass jegliche Kost, die ihrer Figur nicht gut tut ab sofort untersagt wird.“ Der Weihnachtsmann ist erstaunt mit welcher Arroganz und Skrupellosigkeit der Kleine dies sagt. Wahrscheinlich hat der Junge, das alles akribisch geplant, denn es  wirkte auf den Weihnachtsmann wie ein Drehbuch und der Junge ist der Regisseure, der alles kontrolliert. Was ist bloß aus den Kindern geworden und soll ich einfach nachgeben und ihn gewinnen lassen? denkt sich der Weihnachtsmann, während er den Jungen sich anguckt. Der Junge fühlt sich als Gewinner, denn sein Plan ist aufgegangen. Der Weihnachtsmann ist in einer Zwickmühle. Die Geschenke kann er nicht mehr mitnehmen, denn als der Weihnachtsmann, die Geschenke unter dem Baum gelegt hat ist das Besitztum automatisch auf die Hausbesitzer übertragen worden. Das heißt, wenn der Weihnachtsmann die Geschenke wieder mitnehmen sollte, würde es als Diebstahl zählen. Außerdem ist der Junge in den Genuss der Plätzchen gekommen, die seine Mutter gebacken hatte. Dieser Abend hat sich absolut gelohnt für ihn. Der Weihnachtsmann sieht das zufriedene Gesicht, das einem teuflischen Grinsen gleich kommt. Seufzend gibt der Weihnachtsmann sich geschlagen und will dieses Treffen einfach nur vergessen. Die Geschenke werden unter dem Baum gelassen, denn der Weihnachtsmann gibt nur Geschenke und nimmt keine weg. So viel Anstand besitzt der Weihnachtsmann noch auch bei diesem Jungen keine Ausnahme zu machen. Er dreht sich um geht zum Kamin. Bevor der Weihnachtsmann den Schornstein wieder hinauf fährt blickt er noch einmal zum Jungen, der immer noch im Türrahmen steht mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht und sich als Gewinner fühlt.  Der Weihnachtsmann atmet tief durch, kontrolliert ob er den Jutebeutel richtig festhält, geht in die Knie, springt ab und denkt an nichts. Oben auf dem Dach wieder angekommen begrüßt er seine Renntiere. Es hat in der Zwischenzeit angefangen zu schneien. „Mensch ihr werdet mir nie glauben was mir in diesem Haus gerade passiert ist.“ Die Renntiere gucken den Weihnachtsmann mit dem Blick Was-interessiert-uns-das-wir-sind-nur-Renntieren an. Der Weihnachtsmann packt seinen Jutebeutel in den Schlitten und winkt ab. „Ach ist ja auch egal“ Somit schließt er das Gespräch mit den Renntieren. Mit einem Ätzen und Stöhnen steigt der Weihnachtsmann in den Schlitten, der das mit einem knarrenden Geräusch bestätigt. Der Junge hat trotz all seiner bösen Absicht nicht ganz Unrecht was die Ernährung angeht. In Zukunft muss er wirklich darauf achten denkt sich der Weihnachtsmann. Er nimmt die Zügel des Schlittens in die Hand und auf einmal zaubert sich ein Lächeln auf seinen Lippen. Der Junge wird staunen, wenn er sein Geschenk auspackt. Denn anstatt der Power-Ranger-Figur, die er sich sehnlichst gewünscht hatte, würde der Junge eine Barbiepuppe bekommen. Der Weihnachtsmann hatte es schon mit viel schlimmere Kinder zu tun gehabt. Wie zum Beispiel der Adolf und der Donald, die waren um einiges schlimmer als der Junge gewesen. Mit einem lauten Knall der Zügel steigt der Schlitten vom Dach in den Sternenhimmel hinauf.

 

Seine Augen beobachten, wie die Renntiere anlaufen, sich abstoßen und den Schlitten mitziehen in den Nachthimmel hinein. Seufzend guckt er sich die Glaskugel an, in der das Haus steht, wo der Weihnachtsmann gerade zu Besuch war. Noch einmal schüttelt er die Kugel, so dass sich das weiße Pulver in den Luft erhebt und es aussieht als ob es schneit.  Seine weißen, dünnen aus Knochen bestehenden Finger umschließen den Boden, der Glaskugel. Langsam erhebt er sich aus seinem Sessel und stellt sie in seinen Schrank, wo noch andere Glaskugeln stehen, die alle eine Geschichte erzählen. Das Ticken der Standuhr erfüllt den Raum, wenn man ihn als solches bezeichnen kann, denn es fehlen die Wände und doch wirkt es begrenzt. Dichter grauer Nebel umgibt diesen Raum. Sein Blick schweift über die ganzen Glaskugeln. Jedes Jahr zum 24.12 guckt er sich eine an. Zwar ist der Weihnachtsmann erfunden, doch gehört diese Glaskugeln zu seinen Lieblingsgeschichten. Der Wunsch, dass der Weihnachtsmann doch real ist wächst in ihm, wenn er immer diese Geschichte gesehen hat. Er wirft noch einen letzten Blick auf die Glaskugeln bevor er die schwere Eichentür des Schrankes schließt und den schwarzen Schlüssel, der im Schloss steckt zwei Mal nach links umdreht. Das Klacken signalisiert, dass das Schloss eingerastet ist. Den Gang zum Kleiderhaken, der so aussieht als ob er an der Nebelwand befestigt ist nur aber in der Luft schwebt, zögert er absichtlich hinaus. Immer nach dem Betrachten der Kugeln überfällt ihn eine Art Unlust. Warum gibt es eine schillernde Figur wie den Weihnachtsmann nicht, ihn aber schon? Manchmal erwischt er sich dabei wie er sich wünscht, dass der Weihnachtsmann doch existiert und ihn besucht um ein Geschenk zu überreichen. Zwar hätte das keine Bedeutung für ihn, aber allein die Geste wäre nett. Er nimmt seine schwarze Robe vom Haken und zieht sie sich über den Körper. Sein Blick wandert zur Sanduhr, die an seiner Robe befestigt ist und sieht wie das letzte Sandkorn durchrieselt. Wenn er einen Wunsch frei hätte, den er sich erfüllen kann, dann wäre es ein Kind zu sein. Kinder sind nämlich unschuldig, unwissend und doch neugierig. Dann würde er an den Weihnachtsmann glauben ganz egal was Andere behaupten würden. Mit diesem letzten Gedanken und den Glockenschlag der Standuhr zieht er sich die Kapuze über den Kopf und verschwindet mit der Sense in der Hand in den Nebel um den Menschen daran zu erinnern, dass nur das Leben real ist.

 

Die vergessenen Kinder

Ich wünsche euch allen einen schönen 1. Adventssonntag. Mit diesem Beitrag werde ich nun eine kleine Aktion starten. Ich werde jeden Adventssonntag eine Weihnachtsgeschichte veröffentlichen. Das wichtige an meinen Geschichten ist, dass sie an Weihnachten spielen ansonsten sind sie recht unterschiedlich. In der Hoffnung ihr habt Spaß daran wünsche ich eine frohen 1. Advent.

Ach ja falls euch Fehler auffallen bitte ich euch es mir unverzüglich zu melden. Ich werde sie dann schnellst möglich bearbeiten. Schließlich bin ich ein Mensch und keine Maschine und versuche aus Fehlern zu lernen.

Viel Spaß euch noch wünscht euch

Jan Erichson

 

Die vergessenen Kinder

Von Jan Erichson

Es hat sich die Sonne gerade verabschiedet um dem Mond den Weg frei zu machen. In den Straßen der kleinen Stadt Zyklus flackern allmählich die Straßenlaternen auf. In einer Seitenstraße will  eine der Vier dort stehenden Lampen nicht richtig leuchten. Sie flackert ab und zu und veranstaltet dadurch wilde Schattenspiele auf der gegenüberliegenden Mauer, wo in Sprayschrift nationalistische Sprüchen und kommunistische Sprüche sich an die Gurgel gehen und somit an Klarheit und Präsenz verlieren obwohl sie das Gegenteil bewirken wollen. Mitten auf diesen nicht zu erkennenden Schriftzügen sind 10 Plakate von einer Musikband, die ihr nächstes Konzert auf dem alten verlassenen Fabrikgelände ankündigt. Gegenüber dieser Mauer ist ein altes Fachwerkhaus. Das Dach ist halb eingestürzt und die Fensterscheiben sind nicht mehr vorhanden. Die Tür hängt halb in den Angeln und wird vom Wind hin und her geschlagen. Die dumpfen Geräusche der Schläge und das Quietschen der Scharniere erfüllen die stille Nacht. Der Wind bläst seinen kalten Atem durch jeden vorhandenen Spalt des Mauerwerks vom Haus.

Wir schreiben den 24.12. Ein Mann mit weißen Bart und rotem Mantel stampft seelenruhig durch diese Seitenstraße mit den Vier Laternen, der Mauer und dem Fachwerkhaus. Es liegt hoher Schnee, der die Straße verschwinden lässt. Der Mann hat Schwierigkeiten einen Fuß vor den anderen zu setzen. Der große braune Jutebeutel macht es nicht leichter das Gleichgewicht zu halten. Trotzdem strahlt dieser Mann eine Ruhe und Gelassenheit aus, um die ihn jeder Mensch beneidet. Der Blick vom Mann wandert nach rechts zu dem heruntergekommenen Fachwerkhaus. Er bleibt stehen, denn dieser Anblick vom dem Haus verursacht in ihm ein Gefühl des Unbehagens. Sein Blick wandert vom Haus zum Ende der Straße. Es nicht mehr weit. Nur noch an diesem einen Haus muss er noch vorbei. Dann auf einmal vernimmt er im heulen des Windes ein Kichern und Lachen wahr. Plötzlich gehen die Laternen aus und die Straße liegt in der Dunkelheit. Nur noch der Schnee spendet eine Art Licht. Zwei kleine Gestalten tauchen plötzlich aus dem nichts auf. Sie stehen an der Mauer bevor sie durch den Schnee zum Fachwerkhaus rüber laufen. Das Lachen begleitet die zwei und für einen kurzen Moment hört auch der Wind schweigend zu. Der Mann mit dem Jutebeutel blinzelt ganz kurz mit den Augen und da sind das Lachen und die Gestalten auch schon wieder verschwunden. Die Vier Laternen leuchten wieder wobei eine sehr stark flackert. Hat sie seinen alten Augen vielleicht einen Streich gespielt? Wird er doch älter? Mit einem kräftigen Kopfschütteln verneint er diese Fragen besonders die Letzte, als ob er einen der ihm Gegenübersteht überzeugen müsste. Er will gerade seinen Jutesack wieder über die Schulter werfen und seinen Weg fortsetzen als er wieder dieses Lachen und Kichern hört. Er hört genauer hin und er stellt fest, dass es das Lachen von Kindern ist. Es ist ein freundliches und helles Lachen sowohl von einem Jungen als auch von einem Mädchen. Diesmal kommt das Lachen nicht von der Mauer sondern aus dem heruntergekommenen und verlassenen Fachwerkhaus.

Dieses Haus sieht für den Mann aber unbewohnt aus. Kann es sein, dass das Haus doch auf seiner Liste steht und er es nur Übersehen hat. Es wäre das erste Mal, dass ihm so etwas passieren würde. Er schreitet nun selbstbewusst zu dem Haus hin. Der Gedanken, dass er Kinder vergessen hat vertreibt in ihm die Furcht vor dieser Ruine, die er vorher in sich gespürt hat. Er nähert sich der Holztür, die nun still angelehnt ist, weil der Wind aufgehört hat zu heulen, denn er beobachtet die Szene still und leise. Durch einen Holzspalt dringt Licht nach draußen.  Genau dieser Spalt gibt den Blick frei auf zwei Schatten, die sich in der Ruine bewegen.  Sie scheinen vor einem Feuer zu sitzen und machen mit ihren Händen Schattenspiele, die sie an die gegenüberliegende Wand werfen.  Er kann nicht erkennen was sie als Schatten darstellen doch es ruft ein kindliches Kichern hervor. Noch dazu hört er ein klackern, dass ihn vermuten lässt, dass die Kinder mit Murmeln spielen. Ganz vorsichtig öffnet er die Tür, denn sie sollen keine Angst haben und dann wieder spurlos verschwinden. Doch die Tür macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Ein lautes quietschendes Geräusch kündigt sein kommen an. Die Kinder drehen sich hektisch um und schauen zum Mann hinüber. Doch bevor er etwas sagen konnte wird er von den Kindern mit Fragen attackiert. „Wer sind Sie? Was machen Sie hier?“, fragt sofort der Junge, der sich von den beiden Kindern als der ältere erweist und sich schützend vor dem Mädchen hinstellt. Der Mann ist irritiert wegen dem höflichen aber doch unterschwellig aggressiven Unterton ihm gegenüber. „Ich bin der Weihnachtsmann.“  Doch anscheinend kann er damit nicht punkten. Der Junge guckt ihn weiterhin skeptisch an. „Ich hatte draußen auf der Straße Stimmen gehört. Mir ist dieses Haus sonst nie aufgefallen. Auf meiner Liste steht es auch nicht. Habt ihr denn kein richtiges Zuhause?“ Der Weihnachtsmann versucht seinen Blick auf das Mädchen zu richten während er spricht. „Das ist unser Zuhause.“, antwortet der Junge. Das kleine Mädchen lugt hinter den Rücken ihres Bruders hervor. „Bist du wirklich der Weihnachtsmann?“ Ihre dunklen braunen Augen gucken den Weihnachtsmann  flehend an. Dabei fällt ihm auf das ihre Augen müde aussehen obwohl die Körpersprache ein andere ist und dass ihr Gesicht eine kränkliche Blässe aufweist.  „Ja ich bin der Weihnachtsmann und in diesem braunen Jutebeutel..“, mit einer heftigen Bewegung hievt der Weihnachtsmann seinen Jutebeutel vor seinem Körper, „…habe ich Geschenken für Kinder drinnen, die auf meiner Liste stehen.“  „Hast du auch für uns Geschenke? Stehen wir auf deiner Liste?“ fragt das Mädchen ganz schüchtern. Sie hat sich aus ihrer Deckung getraut. Steht jetzt neben ihrem Bruder, dessen Hand sie immer noch festhält. Die Stille, die nach ihrer Frage kommt wird auf einmal mit einem lauten Lachen des Jungen durchschnitten. Dieses Lachen ist kein ehrliches Lachen sondern es klingt nach Hohn und Spott. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass der Weihnachtsmann für uns was hat. Der hatte noch nie etwas für uns. Es jetzt das erste Mal, dass er überhaupt dieses Haus betritt.“ In seinem Blick liegt eine Arroganz und der Weihnachtsmann kann ihm diese auch nicht verübeln. Im diesem Haus war er wirklich noch nie gewesen weswegen er ein schlechtes Gewissen hat als das Mädchen lautstark wird. „ Da irrst du dich! Er hat für jeden immer etwas dabei! Für jeden!“ Der Weihnachtsmann hört dem Streitgespräch zu. Für die Kinder  ist der Weihnachtsmann gerade unsichtbar. Sie stehen sich nun gegenüber. Der Junge herablassend auf das Mädchen. Das Mädchen guckt kämpferisch nach oben zum Jungen.  Während sie sich mit sich selbst beschäftigt sind kann der Weihnachtsmann seinen Gedanken in Ruhe nachgehen.  Wieso ist dieses Haus nicht auf seiner Liste und wieso kennt er diese Kinder nicht? Ist seinen Elfen ein Fehler unterlaufen? Doch bevor er darauf eine Antwort finden kann merkt der Weihnachtsmann wie die Kinder ihn anstarren. Der Junge guckt ihn an als ob er ein Lügner wäre, das Mädchen hingegen guckt erwartungsvoll. „ Na Weihnachtsmann hat dir die Frage deine Fähigkeit zu sprechen geraubt?“, kommt es neckisch vom Jungen.  Der Weihnachtsmann versucht wieder den Faden aufzunehmen. „Entschuldigung, ich war gerade mit meinen Gedanken ganz woanders.  Wieso? Habt ihr mich etwas gefragt?“ Dabei wendet er sich dem Mädchen zu und versucht den Blick des Jungen zu ignorieren. „Was hast du denn mich gefragt?“ „Ob du uns nun die Geschenke reicht´s?“ Dabei klingt das Mädchen nicht mehr erwartungsvoll, wahrscheinlich weil sie ihre Frage ein zweites Mal stellen musste. Um diesen erwartungsvollen Blick wieder zu erzeugen kommt von ihm wie aus der Pistole geschossen: „ Natürlich habe ich für euch Geschenke dabei.“ Jetzt hat der Weihnachtsmann auch das Interesse des Jungen geweckt. Innerlich verflucht sich der Weihnachtsmann für seine schnelle Zunge.  Er öffnet seinen Jutebeutel und greift hinein. Um etwas Zeit zu schinden stellt er den Kindern Fragen. „Wie heißt ihr denn?“ „Ich bin Isabell und der dort“ und zeigt mit dem Finger auf den Jungen, „ ist mein großer Bruder Thomas.“ „Und wie alt seid ihr?“ Der Weihnachtsmann hofft, dass die beiden Kinder nicht merken wie panisch seine Hand im Jutebeutel nach etwas sucht. „Ich bin 6 Jahre alt und mein Bruder ist 9“. Doch Thomas merkt, dass der Weihnachtsmann nur Zeit schinden möchte. „Du hast gar keine Geschenke für uns!“ schreit er und zeigt bedrohlich mit dem Finger  auf den Weihnachtsmann. Isabell guckt erschrocken zu ihrem Bruder dann wieder zum Weihnachtsmann.  „Auf jeden Fall habe ich etwas für euch dabei.“ Der Weihnachtsmann merkt, dass Thomas nicht auf den Kopf gefallen ist und erwidert daraufhin schnell: „Ich brauche eure Namen und euer Alter, damit ich weiß was ich euch schenken kann. Sonst könnte ja jeder den Weihnachtsmann spielen.“ Diese Aussage stellt Thomas erstmal zufrieden, dass kann man an seinen Gesichtsausdruck sehen, dass sich entspannt.  Der Weihnachtsmann ist nun genötigt etwas zu finden, denn ansonsten würde die kleine Isabel den Glauben an ihn verlieren. Wenn Kinder anfangen den Glauben an ihn zu verlieren ist somit auch seine Existenz bedroht. Die Miene des Weihnachtsmannes entspannte sich als seine Hände etwas ertasten. Sein Blick wandert zu Isabell, deren Augen wieder anfangen zu strahlen. Ihre Augen sagen ihm, dass sie nie daran gezweifelt hat, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt.  Mit einem Augenzwinkern an Isabell gerichtet holt der Weihnachtsmann aus dem Jutebeutel ein Spielzeugpferd aus Holz heraus. „Oh! Das habe ich mir schon immer gewünscht!“ Isabell nimmt das Pferd setzt sich auf dem Boden und fängt an damit zu spielen. Thomas ist noch blasser geworden. Mit gesenktem Haupt die Hände hinter dem Rücken schleicht er näher an den Weihnachtsmann heran. „Hast du auch etwas für mich?“ Die Arroganz und der Argwohn sind der Neugier und der Schüchternheit gewichen. Der Weihnachtsmann muss innerlich grinsen als  Thomas so angeschlichen kommt. Für Thomas holt er aus seinem Jutebeutel ein Holzgewehr hervor. Thomas Augen leuchten als er das Spielzeug in die Hand nimmt.  Der Weihnachtsmann sieht den beiden Kindern Isabell und Thomas beim Spielen zu. Sie wirken auf ihn Glücklich und irgendwie auch erlöst. Der Weihnachtsmann wünscht den Beiden eine Schöne Weihnacht und er verlässt das Fachwerkhaus. Der Wind fängt wider an zu heulen.

Auf der Straße wird der Weihnachtsmann von einem Polizisten angesprochen, der durch die Straßen patrouilliert. „Hey sie da mit dem roten Mantel?! Was haben sie da im alten Fachwerkhaus gesucht?“  „Ich habe nur dort Zwei Kinder besucht. Thomas und Isabell heißen sie.“ Der Polizist guckt den Mann mit dem roten Mantel und dem weißen Bart an. „In dem Fachwerkhaus wohnten Kinder und sie hießen auch Isabell und Thomas: Sie waren Sechs und Neun Jahre alt. Doch das ist schon lange her. Vor 50 Jahren fiel eine Bombe auf das Haus und tötete sie beide. Sie sind nun auf dem Friedhof beerdigt.“ Mit diesen Worten lässt der Polizist den Weihnachtsmann in der Straße stehen. Der Blick des Weihnachtsmannes wandert wieder rüber zum Fachwerkhaus. Am  Eingang stehen Thomas mit seinem Holzgewehr und Isabell mit ihrem Holzpferd und winken ihm zu. Der Weihnachtsmann winkt zurück. Dabei kommt ihm der Gedanke, dass es egal ist was für Wesen Thomas und Isabell sind. Er hat sie glücklich gemacht und allein das zählt. Dies ist die Aufgabe des Weihnachtsmannes Glück zu verbreiten. Der Weihnachtsmann nimmt sich vor auch nächstes Jahr Thomas und Isabell zu besuchen und sie zu beschenken.  Und während er seinen Sack über die Schulter hievt hat er nächste Weihnacht vor außer Isabell und Thomas noch all  die anderen  vergessenen Kinder zu besuchen. Er will ihnen wieder Glück bringen und das wird er auch. Und mit diesem Versprechen verlässt der Weihnachtsmann die Straße und das Fachwerkhaus. Das Fachwerkhaus in Zyklus.

 

 

Ist das Kunst oder kann das weg…

von Jan Erichson

Es ist erstaunlich, wenn man etwas sucht um es in seinem Blog zu veröffentlichen und dabei seine eigenen Sachen durchgeht. Man überlegt was könnte ich reinstellen, was muss ich noch überarbeiten.  Dabei bin ich auf dieses Bild / diese Zeichung gestoßen. Leider weiss ich nicht mehr wann ich es gemacht habe. Trotzdem steckt dort nach meiner Meinung immer noch sehr viel Wahrheit drinne, weswegen ich es komplett unbearbeitet reinstelle.

Falls ihre Probleme habt meine Schrift zu entziffern, was ich durchaus nachvollziehen kann so findet ihr unter dem Bild den Text von den jeweiligen Sprechblasen und wer sie spricht.

IMG_20161023_0001.jpg

Wesen mit langen Ohren: „Hat Jemand meine Schnuffeldecke gesehen?“

Schnuffeldecke: „Ich will nicht zurück! Ich will ins Schnuffelland!“

Busch/Gestrüpp/Pflanze: „Keiner fragt was ich will! Ich hasse es zur Randgruppe zugehören.“

Schmetterling (Neutraler Beobachter)

Strichmänchen: „Boah! Ist Kunst Scheisse!“

Gute Nacht Welt

Gute Nacht Welt

Von Jan Erichson

 

Mein Kind sei bereit.  Schließe deine Augen und stell dir vor…

…Blumen ersetzen die Patronen.

…Zuckerwatten ersetzen die Klingen.

…Regenbögen ersetzen die Bomben.

…Umarmung ersetzt die Gewalt.

…Freundschaft ersetzt die Feindschaft.

….Liebe ersetzt den  Hass.

…Aufgeschlossenheit ersetzt die Fremdenfeindlichkeit.

….Toleranz ersetzt die Intoleranz.

…Robustheit ersetzt die Empfindlichkeit.

Das wäre schön oder mein Kind?

Schlaf gut und träum davon.

Denn dein Traum  wird der einzige Ort sein, wo dies möglich ist.

Der Menschen sei Dank. Ihre Dummheit ist nur auf die Realität begrenzt.

Träume sind etwas Schönes, etwas Wunderbares.

Gute Nacht mein Kind. Gute Nacht Welt.

 

 

Ein kleiner Text

Diese Text habe ich vor 3 Jahren geschrieben. Ein bisschen Düster vielleicht gefällt es euch.

Beschallung

Von Jan Erichson

Beschallung. Die Ohren schmerzen. Sie fangen an zu bluten. Das Blut tropft vom Ohrläppchen auf die Schulter. In der Stille ist ein leises plätschern zu vernehmen. Erinnert an ein Bächlein, welches seinen Weg durch die Landschaft bahnt.

„Ich bin der Herr.

Mir musst du dienen.

Bis in den Tod hinein.“

Diese Stimme verursacht Schmerzen im Kopf. Obwohl der Wärme, strahlt sie Kälte aus. Kein Befehl, doch zwingend. Keine Dominanz, doch herrschend.

„Ich bin der Herr.

Mir musst du dienen.  

Bis in den Tod hinein.“

Diese Stimme verursacht Schmerzen im Kopf. Sie selber kennt den Schmerz nicht. Fragen sind nicht gestattet. Tatsachen werden geschaffen. Das rote Bächlein wird zum Fluss, bildet  einen Strom.

Menschen sitzen in Reih und Glied. Die Oberkörper beugen sich rhythmisch  nach vorne, nach hinten. Diener ihres Willens. Der Verstand foltert.

„Du bist der Herr.

Ich muss dich ehren.

Bis in den Tod hinein.“

Murmelnd antworten sie der Stimme. Ihre Blicke sind auf dem Boden gerichtet, beschallt werden die Ohren, bluten tun sie nicht mehr. Es hat sich ausgeblutet. Leer. Nur noch eine Hülle vorhanden. Bis in die Unendlichkeit für die Ewigkeit Gefangene im Diesseits und im Jenseits! Kein Entkommen!

Ruhe. Das Murmeln ist verstummt, sie halten inne in der Bewegung. In der Stille kann man das rhythmische Schlagen des Herzens vernehmen. Das Herz wehrt sich, es kämpft. Schwarze Ketten versuchen es zu drosseln, zu würgen. Mit aller Kraft wehrt sich das Herz.

Hoffnungsschimmer? Ein Ende der Unendlichkeit für die Ewigkeit Gefangene im Diesseits und im Jenseits? Ein Entkommen?

„Ich bin der Herr.“

„Ich habe keinen Herrn!“

„Du musst mich ehren.“

„Warum soll ich dich ehren?“

„Bis in den Tod hinein!“

„Nicht mein Leben!“

Die Köpfe heben sich. Die Blicke wenden sich der Schwärze zu, versuchen zu erkennen.

Wer Spricht dort?

Wer zwingt sie?

Das Herz sprengt die enganliegenden schwarzen Ketten. Es kann wieder atmen, es kann überleben. Die Schwärze verschwindet, die Sicht wird klarer. Alle zeigen in die Richtung der  verschwundenen Schwärze, in der sich der Schuldige versteckt hat. Freude spiegelt sich in den Augen auf  Gerechtigkeit.

Wer ist der Diktator?

Wer ist der Folterknecht?

Aus der Schwärze hat sich eine spiegelnde Fläche geformt. Alle zeigen auf sich selbst.

Stille.